Stadtgeflüster

Gib dem Sandmann Zucker

Einmal noch. Nein, nicht nur einmal noch in diese Stadt. An den Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Wo es im Herbst und im Winter nach Sirup riecht, wenn die Zuckerfabrik eine neue Wolkendecke aus Wasserdampf und Karamell in den Himmel zaubert. Einmal noch. Der kantige Citroën XM Pallas ist vollgetankt und unternehmungslustig. Ich selbst wiederum bin ein bisschen leer von den letzten Wochen, aber nicht minder unternehmungslustig. Meine Hände zittern, mein Herz klopft doller. Ich habe heute zwei Anrufe bekommen. In dem einen hieß es, „meine“ Gitarre sei endlich eingetroffen. Hey – dann fahr ich mal nach Uelzen und kaufe eine Gitarre. Erstmal.   Es ist kalt, grau, grau und grau.

Alle Pegel stimmen

Öl, LHM und Adrenalin

Ich mag den Januar und den Februar überhaupt nicht. Die Weihnachtszeit voller singender weißer Engel, leuchtender grüner Weihnachtsbäume und heißem rotem Glühwein ist vorbei (habe ich da die italienische Flagge vor Augen…?). Der Frühling treibt sich noch ganz woanders rum. Kein Urlaub in Sicht, alles ist kalt und grau und nass und grau und grau und diese Dunkelheit kratzt an meinem Gemüt wie die sturmgepeitschten Bäume am Lack meiner schwarzen Limousine. Meinen Hut finde ich auch nicht, also nehme ich den von der Hutablage im Auto. Der kann viele Geschichten von Sommer und Sonne erzählen und erweckt den Eindruck, als habe ein Penner ihn aus einem Altkleidercontainer gefischt… Da draußen ist eindeutig Hutwetter. Kühlwasser? Genug drin. Öl? Reicht noch. LHM? Perfekter Pegelstand. Adrenalin? Ein bisschen zu viel.

Alleine auf der A7

Ich liebe lange Autofahrten ohne Beifahrer. Ohne Zeitdruck und Ziel. Irgendwann heute Abend bin ich mit meinen Freunden Olaf und Menni auf etwas zu viel Wein verabredet. Bis dahin ist noch Zeit, und der französische Oberklassegleiter schwebt hydractiv in Richtung Lüneburger Heide. Das Handy liegt irgendwo auf dem Beifahrersitz unter ein paar CDs aus der Bücherei. Da war „Flohmarkt“, ausgemusterte Scheiben für je einen Euro. Warum wohl? Weil die niemand hören wollte? Sechs davon habe ich mutig in den Wechsler im Kofferraum gestopft, ich kenne keine einzige von ihnen 🙂 Sowas mag ich. Autofahren. Einfach nur autofahren und neue, unbekannte Musik hören, ein ganzes Album ohne zu skippen. Die Straße öffnet sich. Elendiger Kaffee. Ich halt mal an, is‘ grad ein guter Platz hier.

Keine Ladestation. Nur Pinkelpause.

Die Uelzener Zuckerfabrik schickt ihre süßlichen Dampfwolken in den grauen Januarhimmel. Die Rübenkampagne ist vorbei, die Felder sind gerodet und die Straßen wieder frei. Jetzt werden die Rüben gekocht und verarbeitet. Je nach Windrichtung riecht es malzig-feucht. Es riecht für mich nach spazierengehen am Sonntag Morgen, wenn es kalt, grau und grau (und grau) war und irgendwo Kirchenglocken läuteten. Plötzlich will ich spazierengehen. Ich will nicht vor dem Musikgeschäft parken und profan eine spanische Klapfe da raustragen, ich will da hin laufen. Und wieder zurück. Es gibt einen kleinen Parkplatz zwischen Kindheit und Innenstadt, wo der Citroën sich zischelnd niederlassen kann.

Lange Wege für kleine Beine

Wenn es hier schon nach Kindheit riecht, kann ich auch ein bisschen Kindheitswege stiefeln 🙂 Meine Eltern sind mit uns auf diesem langen Parkweg oft in Richtung Innenstadt geschlendert. Zum Schaufenster gucken, Kuchen kaufen, zum Weihnachtsgottesdienst am Heilig Abend oder an manchen Sonntagen einfach nur so. Der asphaltierte Weg unter kleinen Bäumen führt entlang des Ilmenauufers und startet beim LEG. Das Lessing Gymnasium, das wäre wohl „meine“ Schule geworden, wenn ich nach der niedersächsischen Orientierungsstufe nicht gegen meinen Willen umgesiedelt worden wäre. Vor den großen Haupteingängen waren metallene Gitter im Boden, unter denen sich allerhand Kram ansammelte. Was man halt so beim Rein- oder Rausgehen verlieren konnte. Ich erinnere mich an viele Kämme. Ob da noch….?

Das wäre meine Schule geworden

Keiner benutzt mehr einen Kamm!

Hihi 🙂 Ja, die Gitter sind natürlich noch da. Diverse Jugendliche stromern an mir vorbei. Es ist Nachmittag, irgendwelche AGs sind zu Ende und man gibt sich die Bro-Faust für den Heimweg. Es wird ausgecheckt, Digga, ey weißt du was für eine Scheiße Manuel zu Lesley gelabert hat Digga? Check das Digga, und mein Akku ist auch fast runter. Digga. Mittendrin im Gediggare steht ein alter Mann mit Mantel, Hut und Spiegelreflexkamera. Hm. Ich lächel freundlich und unverbindlich, nicht dass die mich hier falsch einordnen. Den Raum unter den Gittern hatte ich viel tiefer und dunkler in Erinnerung, und außer viel Laub liegen da tatsächlich immer noch Sachen. Ein Labello, eine Menge Papier, ein Ladekabel. Keine Kämme.

Keine Kämme

Benutzt irgend ein Mensch im Jahr 2022 noch einen Kamm? Ich besitze gar keinen mehr, ich strubbel meine Haare allerdings auch absichtlich. Heute ist das nicht unordentlich, sondern hip 🙂 Ich mag diesen Weg entlang des Parks, ich habe ihn schon immer gemocht. Auf der einen Seite ist nur für Radfahrer, auf der anderen für Fußgänger. Seit ich meine Suche nach etwas hier Verlorenem mit dem Auto bestreite, bestand überhaupt kein Grund mehr, hier entlangzugehen. Umso entzückter bin ich, als ich etwas abseits die Frauenfigur auf dem Steinsockel entdecke! Woher kenne ich die? War die hier schon immer, oder war die mal woanders? Und… wer mag das sein? Wer hat die gemacht? Die hatte ich total vergessen, auf der bin ich bei unseren Spaziergängen als Kind immer rumgeklettert. War die nicht größer?

Guten Abend, schöne Frau

Die Sitzende

>Einschub< ich habe mithilfe des Uelzener Stadtarchivs inzwischen herausbekommen, dass die Statue „Die Sitzende“ von Helga Brugger ist. Frau Brugger war eine engagierte Lehrerin und Künstlerin und hat an der Uelzener Realschule unterrichtet. Sie verstarb um 1970 herum bei einem Verkehrsunfall 🙁 Also habe ich ein Geheimnis lösen können.

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie der Blick eines Erwachsenen sich von dem eines Kindes unterscheidet. Dem kleinen Grundschul-Jensi kam dieser doppelte Pfad in die Stadt schier endlos vor. Vielleicht konnte ich es nicht erwarten, meine Nase an den Schaufenstern platt zu drücken, vielleicht waren meine kleinen Beinchen auch viel kürzer. Es sind nur ein paar 100 Meter, die sich landschaftlich nicht sehr abwechslungsreich gestalten. Bäume, Büsche, der Park und der Fluss weiter unten. Früher rabattete hier noch ein knöchelhohes Zäunchen am Rand. Der GaLa Pflegeaufwand war vermutlich unüberschaubar, also weg damit. Die alten Parklaternen stehen immer noch in Reih und Glied, auf dem Rückweg zum Auto nachher werden die sicherlich schimmern…

Unspektakulär und knidlich endlos

Spazieren gehen.

Wann seid ihr das letzte Mal spazieren gegangen? Also nicht, um irgendwo hin zu kommen, sondern einfach nur so? Der Bewegung und der frischen Luft wegen? Ohne dabei zu telefonieren, Podcasts zu hören oder auf dem Handy durch die Nachrichten zu wischen? Spazierengehen ist sooo gut für die Seele, und genau wie Pfeife rauchen träge spazieren gehen das wertvolle Siegel des Zeithabens. Zeit haben und sie nicht möglichst effizient zu füllen ist ein wertvoller Schatz, zumindest sehe ich das heute so 🙂 Als ich die „Nagelbrücke“ über den Park erreiche dämmert es schon.

Über die Nagelbrücke

Auch das habe ich euch glaube ich schon 12 Mal erzählt, aber hier bin ich mit meinem ferngesteuerten Mazda RX7 rumgekachelt, so um 1982. Weil ich es auf dem Rückweg vom Geschäft nicht bis nach Hause abwarten konnte und den hier schon ausgepackt hatte 😀
Die Fußgängerbrücke ist heute ein gern gezeigtes Motiv der Uelzener Instagram Kanäle. Ich habe immer noch Zeit. Ich bleibe stehen und lausche dem Treiben der Stadt, den Geräuschen, ein paar fernen Stimmen. So hört sich meine Heimatstadt an. Autos und Motorräder sind leiser als damals, einige hört man gar nicht mehr. Es riecht nicht mehr überall nach unkatalysiert verbranntem Benzin oder grobrußigem Diesel. Dafür immer noch nach Zuckerfabrik. Und es ist nicht viel los für einen Freitag Abend, ich kann mich durchaus mitten auf die Kreuzung für ein Foto hinsetzen. Diesmal ohne Engel auf Leitern.

Kurz niederlassen

Anker in rauer See

Beständigkeit gibt mir Ruhe. In diesen Zeiten gleichen Orte von damals™, die noch immer unverändert existieren, einem Anker im Sturm. Die Welt dreht sich schnell, immer schneller. Überall laufen weltfremde Vollidioten, oberflächliche Instagram-Hipster oder soziopathische Irre rum. Dem muss man mental erstmal gewachsen sein. Wenn ich an den Plätzen meiner Kindheit kratze, durchströmt mich wieder ein Gefühl von „Alles ist gut“. Wenn ich dieses Gefühl irgendwann verliere, werde ich wie die anderen. Das will ich aber nicht. Das Uhlenköperdenkmal ist heute nicht mit Weihnachtsmarktbuden umstellt, also kann ich frei an der Münze reiben und mir etwas wünschen. Heute dauert es wieder ein bisschen länger, ich habe eine Menge auf der Liste 🙁

Glück kann man dieser Tage nicht genug haben

Langsam lasse ich mich durch Nebenstraßen zu Siggis Musikgeschäft treiben. Vielleicht kennt ihr diese Kauf-Ticks? Dass man eigentlich schon genug von etwas hat – aber hin und wieder noch mehr davon will? Einige von euch machen das mit alten Autos, oder mit Modellautos. Bei mir sind das Uhren, wobei ich jetzt fünf schöne (und gar nicht teure) habe. Und Gitarren. Ich könnte viele Argumente finden, warum ich jetzt DIE Gitarre auch noch haben will. Obwohl ich doch schon fünf Stück habe. Also die Fenix mit dem E-Gitarrenhals, die Wanderklampfe mit eingeritztem Tagebuch, die Konzertgitarre aus chinesischer Knastmanufaktur, die Hohner Strat-Kopie (meine erste E-Gitarre), die Fender Telecaster und jüngst die kleine Gretsch Jim Dandy. Oh. Das waren jetzt schon sechs. Egal, Suchtverhalten ist irrational 😉

The Masked Singer

Der Mond ist aufgegangen

Es ist der seidenweiche Klang der Nylonsaiten, es sind die Form des Korpus und die abgeflachten Kanten, das eingebaute Stimmgerät, das Cutaway und – der Halbmond im Griffbrett und neben dem Schallloch. Leute! Eine Gitarre mit einem Mond drauf! Der Romantiker in mir muss sie einfach kaufen! Ich klampfe ein wenig leise vor mich hin und vermeide bewusst Stairway to Heaven. Ich mache das, weil ich Zeit habe. Dabei steht mein Entschluss schon lange fest. Seit ich mich auf der Weihnachtsreise 2019 in dieses Instrument verguckt habe (klickt mal rein, weiter unten auf einem Bild hängt sie aus Versehen an dieser Wand) kostet sie 100€ mehr 🙁 Aber so ist das mit unerfüllter Liebe. Wenn du zu lange wartest wird es teuer.

Der Mond ist aufgegangen

Wenn ihr mit dieser Metapher nichts anfangen könnt – tröstet euch, ich auch nicht 🙂 Ich kaufe das schöne Instrument und bekomme noch eine robuste Tasche dazu. Das passt gut, dann kann ich die auf dem Heimweg wie einen Rucksack schultern und mich wie ein alternder Ed Sheeran auf Pub-Tour fühlen. Oder wie ein jung gebliebener Justin Currie auf dem Weg ins Wembley Stadion. Die Gitarre sitzt mir schwer und wertig im Nacken, es fühlt sich irgendwie gut und richtig an, dass ich sie gekauft habe. Vernünftig war das nicht. Aber manchmal sind es diese unvernünftigen Aktionen, die umso glücklicher machen. Vielleicht singe ich Olaf heute Abend gleich mal was vor. Er ist nicht so affin, was pathetisches Rumgeklampfe betrifft, aber der Rotwein wird es schon richten.

Der einsame Musiker?

Ein Fuß-Blog.

Es ist ein Fuß-Blog geworden. Die Welt da draußen oder mindestens einige in ihr sind grad so verrückt, dass ich ganz froh bin, mal keine haarsträubenden Aktionen, Alltags-Fails oder Auto Neukäufe zu erzählen. Aber das kommt wieder, keine Sorge. Nur nicht heute. Heute stiefel ich durch die Dämmerung meiner Kindheit zurück zu meinem französischen Auto. Die alten Straßenlaternen leuchten gelblich und müde. Einige sind beschädigt. Andere wurden schon komplett durch neue Modelle ersetzt, wie lange hält eigentlich so eine ordinäre Straßenlaterne? Die „alten“ mit dem Deckelchen drauf stehen hier schon so lange, wie ich denken kann. Und das sind inzwischen einige Jahrzehnte…

Ein langer Weg nach Hause

Die Mond-Gitarre hat es warm und weich auf dem Rücksitz des XM. Feines Leder und Alcantara sind eine sagenhaft kuschelige Kombination, auf Wunsch noch beheizbar, die meisten Leute sitzen in ihrem Auto viel zu selten hinten. Oder? 🙂 Weil ich heute alleine hier bin überlasse ich den schönen Platz da hinten meinem orangen Kuschelkissen, meiner orangen Kuscheldecke und der Gitarre. Einer muss ja das Auto fahren, so langsam bin ich im angekündigten Zeitfenster, um bei Olaf und Menni auflaufen zu können. Spazieren gehen macht hungrig, und unbestätigten Gerüchten zufolge gibt es selbstgemachte Pizza! Ich liebe Pizza in allen ihren Erscheinungsformen. Vielleicht ist der Weg mit dem Auto durch die leere, dunkle Innenstadt nicht der direkte… aber ich fahre ihn trotzdem…

Nach Hause. Jetzt aber wirklich

… und komme noch einmal an der Kreuzung vorbei, auf der ich vorhin platzgenommen hatte. Da, wo im Dezember immer die Engel am alten Rathaus ein Fenster mit einer Geschichte freilegen. Meine innere Unruhe ist noch nicht weg. Vielleicht haben die Engel vor zwei Monaten noch eine zugehängte Geschichte vergessen? Hm. Fast 18:00 Uhr. Der zweite Anruf heute kam von der Familie, die 1991 das Haus gekauft hat, in dem ich aufgewachsen bin. Anlass vieler Spaziergänge voller pathetischer Fotos und Gedanken in den 30 Jahren danach. Das Epizentrum meiner unabgeschlossenen Kindheit, die Büchse der Pandora meines Retro-Fimmels. Morgen um 11:00 Uhr bin ich eingeladen, es mir noch einmal anzugucken. Einmal noch. Hoffentlich kommt einer der Weihnachtsengel mit und hält meine Hand, wenn ich wieder in meinem Kinderzimmer stehe und auf die Felder rausgucke.

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

19 Antworten zu Stadtgeflüster

  1. Bronx. 1965 sagt:

    „(…)Es ist ein Fuß-Blog geworden. Die Welt da draußen oder mindestens einige in ihr sind grad so verrückt, dass ich ganz froh bin, mal keine haarsträubenden Aktionen, Alltags-Fails oder Auto Neukäufe zu erzählen. Aber das kommt wieder, keine Sorge. Nur nicht heute. (…)“
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    Ich bin sprachlos. Ein Fuß-Blog.
    Und das am Tag 7!

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    Du lebst echt in einer Blase. Es tut mir leid, ich kann nicht anders.

    • Sandmann sagt:

      Ay Bronx,
      findest du? Der Abend ist ja nur ein Schnippsel meines Lebens, und am folgenden Tag bin ich wieder nach Hause gefahren, mit vollem Akku in der Seele und bereit für die Aufgaben des Alltags. Ich lebe ja nicht in meiner Vergangenheit. Ich besuche sie nur ab und an 😉

      Und ein bisschen Blase ist dieser Tage vielleicht gar nicht schlecht. Wenn ich mir klarmache, dass da grad ein europäisch gesinntes Land angegriffen wird, mit Nachbarländern, die in der NATO sind, alle Armeen in Alarmbereitschaft versetzt wurden und ein autokratischer Herrscher, der nichts zu verlieren hat außer seinem Gesicht einen Finger auf dem Knopf seiner Nuklearwaffen liegen hat… dann verhindert ein bisschen Blase, dass ich so viel Angst um mich und meine Kinder und mein Leben habe, dass ich jede Nacht wach liege. Und damit wäre auch keinem geholfen 🙁
      Sandmann

  2. Hansi Baers sagt:

    Danke fürs mitnehmen!!

    • Sandmann sagt:

      Ay Hansi,
      gern. Ich bin jetzt mal für’s banale Mitnehmen zuständig. Diskussionen über einen dritten Weltkrieg führe ich persönlich hier lieber nicht…..
      Alles wird gut
      Sandmann

  3. pico24 sagt:

    Ich weiß nicht ob ich den Kommentar korrekt verstanden habe, aber ein Fuß-Blog ist mir deutlich lieber als ein Polit- oder Krieg-Blog, dafür gibt es andere.
    <3

    • Sandmann sagt:

      Ay pico24,
      ich rätsel auch noch was genau ich falsch gemacht habe… Vielleicht frag ich Bronx mal selbst.
      Sandmann

      [edit] Ja, ihm fehlt mein Bezug zur aktuellen Lage. Da hat er natürlich prinzipiell Recht, aber tatsächlich bleibe ich generell lieber unpolitisch. Meine Meinung sollte denen, die mich kennen, bekannt sein. Dass ich in diesen Tagen mehr Angst habe als in den Jahrzehnten davor wird jeder verstehen. Aber ich bin kein politischer Journalist, ich bin Autoschreiber und Vergangenheits-Reisender. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht mit der Lage auseinandersetze. Ich versuche jeden Tag, meinen Kindern alles so zu erklären dass sie am Abend ohne Angst im Herzen einschlafen können. Und ich packe Pakete mit Schlafsäcken, Windeln und Milchpulver. Und deshalb publiziere ich dazu nichts. Es sind schreckliche Zeiten. Ich gehe spazieren.
      Sandmann

  4. Sven E. sagt:

    Bin gerade „mitgefahren“ und hatte förmlich den Innenraumgeruch des Pallas in der Nase (den kenne ich genau, gerade dann, wenn Alcantara drin ist😉😂) und bin mit spazieren gegangen.
    Nur der Rotwein war nicht so mein Fall…

    Danke für den Ausflug! Kam genau passend in diesen Zeiten!

    Grüße,

    ein Pfeifenraucher

    • Sandmann sagt:

      Ay Pfeifenraucher,
      das ist tatsächlich so – ein XM riecht von innen wie ein XM. Oder? Ich habe das Gefühl, meiner jetzt riecht genau so wie der, den ich vor 5 Jahren hatte. Und der hatte nur das normale Leder. Abgefahren.
      Ein alter Ford riecht innen auch immer wie ein alter Ford.
      Nun. Ich schnür mal meine Schuhe zu und laufe zum Elternhaus. Bis später…
      Sandmann

  5. Hi Sandmann,

    in einem alten Auto eine neue Gitarre holen, und sich freuen, das lange Stückchen Asphalt alleine zu fahren, spricht mir aus der Seele! Wenn man dann so in moderater Geschwindigkeit unterwegs ist, und die Seele Gelegenheit hat, hinterherzukommen, kriegen so Touren was Einmaliges.

    Hat wieder Freude bereitet, danke dir!

    Herzlich, Dirk

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,
      ich glaube aus indianischer Sicht hat die Seele auch bei entspannten 100 km/h keine Chance, hinterherzukommen 😉 Da ist es dann mit der Mofa nach Dänemark anders. Aber ich weiß was du meinst und ich bin mir sicher, meine Seele war dabei.
      Schönen Abend
      Sandmann

      • Schön gesagt, Dirk!
        Geht mir exakt genauso. Bin erst gestern einfach mit dem Auto 600km nur aus Freude am Fahren abgespult. Endlich mal die angesammelten Podcasts der letzten Wochen weggehört. Schiebedach auf, Tempomat bei 100 auf der rechten Spur an – Schuhe aus. Auf dem Velourssessel fast wie zu Hause. 🙂

        @Jens: Bin die große ‚Hafenrunde‘ von H über HH, HEI, RD und KI gefahren – und zurück eben. Hatte noch überlegt spontan durchzuklingeln. Aber vielleicht doch etwas unhöflich so kurzfristig. 😉

        • Vielen Dank, Philipp… 😉

        • Sandmann sagt:

          Ay Philipp,
          einfach so 600 Kilometer ist schon ein bisschen krass 😉 Aber vor allem bei den aktuellen Benzinpreisen. Trotzdem kann ich das gut verstehen. Andere gehen in den Spa Bereich oder machen Sport, unsereiner fährt halt therapeutisch Auto.
          Deine „große Hafenrunde“ ist speziell. Ganz schön viel Strecke, und alles mir gut bekannte Orte 🙂
          Spontan reinschauen ist völlig okay, solange ich da bin (bin ja viel beruflich in Hamburg und dem Rest vom Land) und du kurz vorher Bescheid sagst, damit ich Kaffee aufsetzen kann. Meine Nummer kann man ja bekommen. Wenn beides gegeben ist – dann komm 🙂
          Schönes Wochenende
          Sandmann

  6. kupy sagt:

    Moin Sandmann,
    ganz deinem Nickname zum Trotz bringst du mich jeden Abend um den Schlaf. „Ach, eine Geschichte noch. Achwas, noch eine… aber wirklich nur noch eine…“. Immer wieder lese ich mich fest und weiter und weiter. Du hast eine tolle Gabe zu schauen, im Bild festzuhalten, Worte zu finden und berührend und fesselnd zu erzählen! Es tut gut zu lesen, was und wie du schreibst! Es wärmt, hat viel Herz und einen wunderbaren Blick. Und ein bißchen findet sich ein großer Junge in ähnlichem Alter und mit auch schon einigem, manchmal zwangsweise und ungefragt, Erfahrenen, darin wieder. Brüche, auf der Suche nach Spuren von Verlorenem (wer sagt eigentlich, daß man alles abschließen und hinter sich lassen MUSS?), immer mal wieder zurückkehrend im Weitergehen. Manchmal braucht man Fixpunkte, Land- oder Leuchtmarken mitten im Unterwegssein. Und Erinnerungen. Zuhause ist, wo das Herz ist. Und wo davon noch ein Stück geblieben ist, ist auch noch ein Stück Zuhause, zumindest für dieses manchmal bang klopfende Organ.

    Nicht älter werden trotz dahingehender Zeit, Automacke ( bei mir kleinere Modelle, weniger Hubraum, irgendwo immer eine Geschichte damit oder dahinter), …, und viel Liebe zu den Menschen. Das Staunen nicht aufgeben, und möglichst etwas Humor, auch wenn der – typisch Leben – nicht immer gerade dann voll da ist, wenn man ihn mächtig brauchte.

    Schön zu lesen und zu wissen: es gibt sie noch, die großen Jungs – und bei Manchen sogar ein Gegenstück, das sie wirklich liebt, trotz der und mit den Macken. There is no childhoods end, mit allem Schönen und Schweren, wenn man mutig ist. Das ist nichts für Weicheier.

    Putzig, daß Dein Fluß unter der Nagelbrücke genauso heißt wie der Ort des Wohnexils in den mitteldeutschen Hügeln, die mir den Blick und Weg zum Meer versperren. Irgendwann trage ich die mal ab und fahre los, nachhause. Wenn noch ein bißchen Lebensweg abgearbeitet ist.

    The man in the mirror had sad eyes… Und du sagst oft: das Leben ist schön. Man muß es mitunter erst (oder immer wieder) entdecken. Spätestens zum Ende in Deinen Geschichten und zum Anfang der nächsten weiß man: es ist so!

    Danke und keep on! Und ich wünsche Dir immer einen Weihnachtsengel an der Seite, der unsichtbar mitgeht, wo Du als Reisender auf Spurensuche bist! (Und der Dich auch im Kinderzimmer an die Hand nimmt!)

    Eine Geschichte lese ich heute noch. Nur noch eine heute… 🙂 Oder noch eine?…

    (Sorry, ist etwas viel geworden. Aber das zu sagen, trage ich schon länger mit mir rum…)

    • Sandmann sagt:

      Ay kupy,
      danke für deinen langen, lieben Kommentar 🙂 Und die Marrillion Zitate, ich weiß gar nicht wohin mit mir…
      Natürlich ist und bleibt das Leben schön. Das aktuelle Weltgeschehen macht mir nennenswert Angst, aber das macht das Leben an sich nicht unschön. Ich staune noch immer wie ein kleines Kind über Kleinigkeiten und schöne Dinge. Und ich versuche, den kleinen Jungen in mir nicht zu schnell erwachsen werden zu lassen. Meine Kinder danken es mir…

      Und ich glaube, du siehst viele Dinge ähnlich wie ich. Tatsächlich kann ich mit manchen Sachen nicht abschließen und muss es auch nicht. Das gebe ich in der Folgegeschichte, online seit gestern. auch zu. Aber diese Fixpunkte tun mir gut, und das gestehe ich mir ein. Warum auch nicht? Es tut ja niemand anderem weh, und wer es nicht lesend verfolgen mag kann ja andere Seiten anklicken. Is‘ ja kein Abo 😉

      Bewahre dir den Gedanken an den Blick auf’s Meer. Und wenn es zu sehr drückt dann fahr los und gucke auf den Horizont. Ich mache das regelmäßig. Und lass dich von den Geschichten nicht zu sehr um den Schlaf bringen. Schlaf ist wichtig 😉
      In diesem Sinne. Auf in ein neues Wochenende
      Sandmann

  7. kupy sagt:

    Moin Sandmann,

    Schlaf ist wichtig, aber es tut gut zu lesen, was und wie Du schreibst! Das ist auch wichtig! 🙂 Und das „Hausgeflüster“ berührt mitfühlend! Ich hätte den Mut nicht gehabt aus Angst, nicht zu wissen, was dort und tief in mir auf mich wartet. Bewahre den kleinen Jungen in Dir, die Neugier, das Staunen, das Erinnern, den Blick für das Kleine (oder auch mal Größere) und doch so Kostbare! Zuviele gehe schon in jungen Jahren im Altwerden auf. Die können mich dann gern schräg angucken. 🙂
    Schönes Wochenende trotz des vielen wirklich Angstmachenden! Das Leben ist trotzdem schön! Wie wahr! (Ich lese dann mal weiter… 🙂 )

    • Sandmann sagt:

      Ay kupy,

      na ja es liegen ja keine Leichen im Keller oder verborgene Traumata in den hinteren Schubladen der Seele. Von daher war ich mir schon recht sicher, dass da im Haus alles okay sein wird. Es ist einfach ein Lebensabschnitt, der vorbei ist und dem ich nachtrauere, aber vor allem weil es eine unbeschwerte Zeit war, in der ich noch keine Verantwortung übernehmen musste. Ich war ein Kind. Alles war gut. Und alles WIRD gut.

      Ich pack mal mein Auto mit Wein und Gitarre und besuche meinen Freund Heiko spontan an der dänischen Westküste. Ein Roadtrip ohne Vergangenheit. Einfach nur Freunde. Wir lesen uns.

      Sandmann

  8. opatios sagt:

    Moin Sandmann,
    der „Mann mit Hut auf dem Spazierweg“ erinnert mich frappierend an das Verkehrszeichen 241 bzw. seinen Vorgänger Bild 17b (von vor 1970). Dir fehlt nur ein viertelfinnisches Sandmännchen dazu 🙂

    • Sandmann sagt:

      Hihihi 😀
      Ich hab das grad mal gegoogelt, das kannte ich gar nicht mehr so richtig. Jaaaaaa tatsächlich macht dieser East-German-Stasi-Mantel (Zitat Tom aus London) mich in Verbindung mit dem Hut eher alt und grumpy 😉 Shirt mit Hut geht, das ist dann wieder cool. Aber dafür war und ist es zu kalt…
      Sandmann

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